Tausend Namen, tausend Pflanzen, tausendundeine Überraschung: Volksnamen können ungemein erheiternd oder auch erschreckend gruselig sein. Tatsache!

Tanzbärlein –> Schlüsselblume (Primula veris):
Wow! Dieser Name erschließt sich nicht so leicht. Was tanzt denn da? Wo sind die Bärchen? Der Name geht auf ein altes Kinderspiel zurück (als es noch viele, viele Schlüsselblumen gab und sie nicht unter Naturschutz standen). Aus den gackerlgelben Blüten vorsichtig den Stempel herauspflücken, der aussieht wie ein Trommelschlägel, und mit dem kugelrunden Fruchtknoten auf eine stille Wasseroberfläche bugsieren. Da fängt das Ding an zu tanzen, da steppt der Bär.

Tausendschöncher –> Bart-Nelke (Dianthus barbatus):
Nicht das Tausendschönchen (Name für Gänseblümchen), sondern der Tausendschöncher ist hier gemeint. Das klingt nach viel mehr als Schöngesicht, Siebenschön, Schöner Hans oder Schöner Wilhelm, nicht wahr?

Tiroler Glocken –> Gelbe Gauklerblume (Mimulus guttatus):
Warum nennen wir Schraubenschlüssel Franzosen oder Engländer, warum sind Würstchen mal Wiener und mal Frankfurter, warum essen wir Berliner und Amerikaner, die überhaupt nicht von dort kommen? Wir verorten manches falsch oder vermuten eine Herkunft, um etwas besonders exotisch (oder auch abschätzig) darzustellen. So erging es auch diesen Sumpfpflanzen aus Nordamerika, die sich im späten 19. Jh. bis in die Alpentäler ausbreitete. In Tirol südlich des Alpenhauptkamms verdächtigte man den Norden des Landes als Ursprung, und schwupps hatten die Gaukler ihren Namen weg.

Tschüscherrömpel –> Flieder (Syringa vulgaris):
Oder auch Tschigerempel, Tschütscherrömle… das muss man erst mal über die Lippen bringen, ohne sich einen Knoten in die Zunge zu reden. Ursprünglich kommen diese Bezeichnungen wohl aus den slawischen Namen für diesen Strauch. Sie werden sich wohl kaum durchsetzen – wir bleiben dann doch lieber beim Flieder.

Teufelsbutterstange –> Sonnwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopa):
Der quirlartige Blütenstand und die gelbe Färbung ähneln einem Stößel zum Rühren der Butter im Fass. Weil das mit dem Buttern aber bestimmt nicht wird, wenn die giftige Pflanze dazu verwendet wird, kommt der Teufel ins Spiel. In nordischen Ländern spricht man solche Gewächse nicht dem Satan zu, sondern den Trollen.