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Giersch-Superkraut

Ob die Römer den Giersch (Aegopodium podagraria) in ganz Europa verbreitet haben oder das Kraut schon immer nördlich der Alpen heimisch ist, ist für seinen Ruf unerheblich. Im antiken Rom diente der Giersch zur Linderung der „Krankheit der Könige“, die auf eine zügellose Lebensart mit übermäßigem Konsum von Fleisch und Alkohol zurückgeht. Gegen die äußerst schmerzhaften Folgen legte man einen Brei aus den Blättern auf und verordnete Bäder im Gierschsud.

Heilendes Grün

Nicht von ungefähr heißt der Giersch auch Zipperleins- oder Podagrakraut – alles Bezeichnungen für Gicht.

Im Mittelalter erlangte der Giersch nicht nur als Speisepflanze, sondern ebenso als Heilkraut höchste Verehrung. Der zu den großen Kräuterkundigen der Geschichte zählende deutsche Professor für Botanik und Medizin Tabernaemontanus (1522-1590) stellt den Giersch in die Gesellschaft hochgeschätzter Heilpflanzen wie Meisterwurz und Engelwurz. Anders als bei der „Meisterin aller Wurzen“ und dem „Engel unter den Wurzeln“ nutzt man beim Giersch, dem „Meister der Säfte und des Fließens“, vorzugsweise die Blätter.

Vergessene Heilpflanze

Doch die große Zeit des Gierschs ist vorbei. Kaum ein Nachschlagewerk über Heilkräuter und Arzneipflanzen listet ihn auf, geschweige denn gibt es neue Untersuchungen zu seinen Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen. Aber Gicht, Arthritis und Rheuma sind weiterhin verbreitet. Dabei macht ihn allein sein hoher Mineralstoffgehalt tauglich, die allgemeine Entgiftung zu fördern und damit insbesondere auch die Gichtschübe verursachende Harnsäure auszuscheiden. Ähnlich wie Birkenblätter oder Brennnesselkraut bringt der Giersch die Körpersäfte ins Fließen, unterstützt von ätherischen Ölen, Flavonoiden und weiteren Stoffen wirkt er einer Übersäuerung und Entzündungen entgegen.

Im Essen vorbeugen

Getreu dem Leitspruch „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein“, der dem griechischen Arzt und Vater der Heilkunde Hippokrates von Kos (460-377 v. Chr.) zugeschrieben wird, gehört der Giersch auf unseren modernen Speiseplan. Gierschumschläge und Gierschtee bringen zwar bei einem akuten schmerzhaften Gichtschub sowie bei rheumatischen Beschwerden Linderung. Unerlässlich ist aber auch eine Umstellung des Essens, am besten Gierschlimonade und Gierschgemüse statt Bier und Schweinebraten.

Giersch gilt sogar als der „bessere Spinat“, weil er vollgepackt ist mit wertvollen Inhaltsstoffen, gleichzeitig frei von Oxalsäure, die in hoher Dosierung die Nieren angreift. An Nährwerten übertrifft er mühelos den vielgerühmten Grünkohl, er bietet doppelt so viel Vitamin C, ein Vielfaches mehr an Mineralstoffen und nahezu den zweifachen Eiweißgehalt.

Weil der Giersch vertraute Aromen mit mildem Geschmack verbindet, lässt er sich außerordentlich vielseitig in die tägliche Nahrung integrieren: im Frühjahr der Austrieb als zarte Rohkost, im Sommer die Blätter und Stängel gekocht, gedünstet, püriert und kombiniert, im Herbst die Früchte und schon wieder nachgewachsenen Blättchen als Gewürz.

Keine Grüne Neune ohne Giersch

Zu Gründonnerstag wird traditionell etwas Grünes serviert und verzehrt – am besten eine Neunkräuterstärke, eine Speise mit neun verschiedenen Kräutern. Da gehört der Giersch doch unbedingt dazu!

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