Blütengedanken

Blütengedanken

BluetenteppichSchon ist die Pracht dahin, am Kirschbaum. Dahin? Nein, es entsteht neue Pracht, ein Blütenteppich deckt den Rasen! Selbst im Vergehen faszinieren Blüten… Dazu noch ein Gedicht:

Die Blüten

Zierlich geputzt, im weißen Schleier
Harren die Blüten auf ihren Freier:
Herrn Flätterling, Herrn Sumsumsum,
Herrn Muck oder Puck oder Hummelbrumm.

Sind noch viel scheue Bräutchen dabei,
Die hielten sich gerne noch frei,
Bis alles auch wirklich in Ordnung sei!
Drum schließen sie eng noch den Kelch zusammen,
Bergen noch streng vor den Sonnenflammen
Ihre Narben und Pollen,
Daß die noch warten sollen.

Aber die anderen lockte das Licht,
Und sie wehrten sich nicht.
Und die Lustigsten und die Kühnsten,
Die sich schon ganz erschlossen,
Kichern: Wir stünden schon heut‘ zu Diensten
Jedem Genossen!

Husch, ist der Himmel schwarz und schwer
Wie die Nacht!
Hui, und da braust es schon her
Pfeilgeschwind –
Seine Hochzeit macht
Junker Wirbelwind!

Tanzt einen tollen Reigen
Mit den erschrockenen Zweigen,
Greift in gierigem Wüten
Alle die offenen Blüten,
Wühlt darinnen mit wilder Lust
Und zerpflückt sie an seiner Brust!

Ein Strahl, ein schmetternder Schlag…
Ruhig wieder blaut der Tag
Ueber dem Hag.
In den erschütterten Lüften
Liegt von versprühten,
Verflatterten Blüten
Süßes, trunkenes Düften,
Als wollten im Tode noch sagen
Sie, die der Sturm zerschlagen:
Mußten wir auch verglühn,
Wohl uns – wir starben im Blühn!

Doch auch die Unversehrten, die Zagen,
Haben’s nun gut,
Fassen wieder Mut,
Richten sich auf mit Behagen,
Träumen von langer Sonnenglut
Und vom Früchtetragen.

Hanns von Gumppenberg

2 Kommentare
  • Maria
    Antworten

    Hallo, Frau Greiner,

    ich habe ein Gedicht gefunden, sozusagen eine Anleitung zum Glücklichsein, das ich Ihnen schicken möchte

    Sommerfrische

    Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
    Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
    Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
    Mit einem grünen Reis.

    Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.
    Weil’s wohltut, weil’s frommt,
    Und bist du ein Mundharmonikabläser
    Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir bekommt.

    Und laß deine Melodien lenken
    Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
    Vergiß dich. Es soll dein Denken
    Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer.

    Viele Grüße von Maria Burlefinger

    22. Mai 2013 um 7:35
  • Maria
    Antworten

    Ich hab vergessen zu schreiben, dass dieses Gedicht von Joachim Ringelnatz ist

    22. Mai 2013 um 7:36

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