Schneeball???

Diesen Strauch sieht man gerade allerorten blühen, schon von Weitem fällt er durch seine strahlen weißen Blütenstände ins Auge. Der heimische Schneeball (Viburnum opulus) ist bei uns vor allem in Hecken, an Waldrändern und in Ufergebüschen verbreitet. Betrachtet man seine Blüten genauer, stellt sich die Frage: Warum nur heißt er Schnee-BALL? Schnee ist klar, das hängt mit den weißen Blüten zusammen, aber von Ball ist doch weit und breit keine Spur. Eher sollte man von Schnee-Scheibe, Schnee-Teller oder Schnee-Schirm sprechen.

Des Rätsels Lösung

Der Name Schneeball ist für diesen Strauch noch gar nicht so lange in Umlauf, vielmehr bezeichnete man ihn früher als Schwelke, oder nach den roten Früchten Herzbeer- oder Glasbeerstrauch, Lungen-, Gicht- oder Leberbeerstaude, auch Kalinkenstrauch. Weitere Namen waren Wasser-, Bach- oder Sumpfholder, Rosenholunder, Gänseflieder oder Wasserflittern. Der Name Schneeball hat sich wohl erst seit dem 17. Jahrhundert durchgesetzt, nachdem eine Zierform sich mehr und mehr verbreitete: der gefüllte Garten-Schneeball (Viburnum opulus `Rosea´). Dessen Blütenstände bestehen nur noch aus sterilen Schaublüten, die sich zu einer Kugel zusammendrängen. Vermutlich entdeckte man diese aus einer Laune der Natur entstandene Variation in den Niederlanden, worauf der Name Geldern-Rose (Guelder Rose ist im Englischen heute noch gebräuchlich) hinweist.

Ursprünglich rosa

Der „Wasserflieder mit kuglichen Blumen/Schneeball“, wie er von Johann Sigismund Elsholtz 1666 in einem Gartenbaubuch beschrieben wird, wurde durch vegetative Vermehrung immer weiter in Mitteleuropa verbreitet. Aus ursprünglich rosa überhauchten Blüten entstanden reinweiße, und 1827 bemerkte Adelbert von Chamisso, dass der Schneeball „eine ungewöhnliche Zierde unserer Gärten“ sei. Tatsächlich wurde der gefüllte Schneeball, der jedoch niemals Früchte ausbildet, neben dem fliederfarben blühenden Flieder (Syringa) den Status des beliebtesten Blütenstrauchs. Sogar ins deutsche Liedgut hat es der Strauch geschafft: „Bald blüht im Grund der Schneeball und der Flieder, Marie-Helen, dann wird es wunderschön!“

Blüten schön, Früchte heilkräftig

Während die Blüten des heimischen Schneeballs vielen Insekten Nahrung bieten, bleiben die dicht gefüllten Bälle der Zierform ohne Besuch. Letztere setzen auch keine Früchte an, doch die sind nicht nur attraktiv und Vogelspeise, sondern auch für die Gesundheit bedeutsam. In der Volksheilkunde hatten die Schneeballbeeren früher große Bedeutung als Leber- und Lungenbeeren. Ein Mus aus den Früchten galt als hilfreich bei Leberbeschwerden und Lungenleiden. Die Dampfbeeren wurden gegen den Dampf, eine alte Bezeichnung für Asthma und Atemnot, verwendet. In Osteuropa bis Westasien dienen die Früchte bis heute in der Volksmedizin als hilfreich gegen Halsweh, Husten, Erkältungen, bei Harnwegsentzündungen, Nieren- und Gallensteinen, Prostatabeschwerden und gegen Krämpfe, auch Menstruationsbeschwerden. Doch davon mehr, wenn es dafür Zeit ist – im Herbst.

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