Obwohl ich Forsythien (Forsythia) ein wenig kritisch gegenüberstehe (weil sie bei uns keinen ökologischen Nutzen haben), staune ich doch immer über ihre überbordende Blütenfülle und ihre attraktive Blütenfarbe zu früher Jahreszeit. Genau diese Eigenschaften haben die in Ostasien heimischen Forsythien, benannt zu Ehren des englischen Botanikers und Gärtners William A. Forsyth (1737-1804), seit dem 19. Jahrhundert zu weithin verbreiteten Ziersträuchern gemacht.

Goldgelb wie kaum andere Gewächse
Die Blütenfarbe der Ölbaumgewächse, verwandt mit Flieder (Syringa), Jasmin (Jasminum), Liguster (Ligustrum), Eschen (Fraxinus) und dem Ölbaum (Olea europaea), sorgt für die Attraktion. Goldglöckchen, Goldweiden, Goldflieder, Goldregen, Goldbecher nennt man Forsythien deshalb auch. So sehr die vierzähligen Blüten auch leuchten, sie bleiben duftlos und bei uns von Insekten oder anderen Lebewesen unbeachtet. Nicht allein, weil die sommergrünen Sträucher unserer Tierwelt unbekannt sind, sondern weil sie auch keinen Nektar, kaum Pollen bieten – denn gepflanzt wird vor allem Hybridformen Forsythia x intermedia. Und die sind weitgehend steril, bilden keine Früchte aus.
Giftig oder nicht?
Allgemein werden Forsythien bezüglich Giftgehalt als kritisch eingestuft, wenn auch nur als „kaum giftig“ oder „leicht giftig“. Die Giftzentrale Bonn bezeichnet alle Teile als giftig aufgrund von Saponinen und Glykosiden. Ein Verzehr größerer Mengen kann Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall auslösen. Weil aber Blüten als sehr bitter beschrieben werden (ich habe noch keine probiert) und andere Teile als wenig verlockend für einen Verzehr erscheinen, gelten Forsythien als eher ungefährlich. In Ostasien werden sie nicht nur als Ziersträucher, sondern auch als Heilpflanzen verwendet.
Blüten für Tee?
Durch Fragen von Seminarteilenehmenden und Beiträgen aus den Social Medias werde ich auf Tee aufmerksam, der mit Forsythienblüten aufgebrüht wird (Forsythienblüten werden auch als Garnitur für Desserts, als Sprinkles für Gerichte u.ä. empfohlen). Der Blütentee soll intensiv duften und fruchtig schmecken, an reife Pfirsiche erinnern. Wie bitte? Entsteht hier gerade ein neuer Hype? Soll gegen Atemwegsbeschwerden, Fieber, Entzündungen und vieles mehr helfen. Das macht mich stutzig wie neugierig.

Lian Qiao
In der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) kommen insbesondere die Früchte bestimmter Forsythien-Arten zum Einsatz. Forsythia suspensa gehört zu den 50 Grundpflanzen der chinesischen Volksmedizin. Ähnlich Lian Qiao in China kommen Forsythienfrüchte unter dem Namen rengyô in der japanischen Heilkunde vor. Selbst im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 11) sind Forsythiae fructus aufgeführt. In deutschsprachigen Heilpflanzen-Werken, von denen ich eine ganze Reihe besitze, sind Forsythien dagegen nirgends aufgeführt.

Falsch verstanden?
Habe ich jetzt etwas falsch verstanden oder wurde grundlegend etwas unrichtig aufgefasst und weitergegeben? Es kann kaum korrekt sein, dass ein Tee aus Blüten unserer Ziersträucher als Heiltee sinnvoll ist. Erstens wachsen bei uns vorwiegend Hybrid-Forsythien, die wie alle Hybridformen als wenig bis gar nicht heilkräftig eingeschätzt werden. Zweitens sind für die medizinische Anwendung in erster Linie Früchte wichtig.
Doch bloß viel Tamtam um nichts?