Sie wächst nur im Schatten alter Baumkronen, sie bevorzugt nährstoffreiche Waldhumusböden mit guter Wasserversorgung, sie kommt nie einzeln vor: die Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia). Aus einem kriechenden Rhizom sprießen immer neue Triebe mit jeweils vier, selten fünf und noch seltener sechs Laubblättern. Blütezeit ist im Mai – jetzt fällt die Pflanze durch ihre blauen bis blauschwarzen Beerenfrüchte auf. Doch Vorsicht, diese Beeren sind besonders giftig – auch alle übrigen Pflanzenteile enthalten Steroidsaponine sowie weitere Giftstoffe wie Paridrin, Paristyphnin und Pennogenin.

Vierblättrig, aber nicht glückbringend
Wie gefährlich diese Giftstoffe sind, lässt sich nur schwer einschätzen. Keiner mag’s probieren… Nein, Spaß beiseite – auch in historischen Schriften gibt es bereits unterschiedliche Berichte über die Giftigkeit, teils wurden die Beschreibungen wohl auch nicht korrekt der Pflanze zugeordnet. Brechreiz und Durchfall, Kopfschmerzen und Schwindel, in schweren Fällen Magenkrämpfe bis Atemnot soll der Verzehr auslösen. Kaum jemand wird die Einbeerenfrüchte wohl auch in größeren Mengen essen, denn sie schmecken – so heißt es jedenfalls – ziemlich bitter und scheußlich.

Während Einbeeren eine Verengung der Pupillen verursachen (Miosis), kommt es durch Tollkirschen zu einer Erweiterung der Pupillen (Mydriasis).
Wolfstraube und Blatternblatt
Immerhin scheinen Einbeeren so gehaltvoll zu sein, dass man versuchte, mit ihnen Wölfe zu vergiften. In den Zeiten, als Europa von der Pest heimgesucht wurde, hielt man große Stücke auf die Einbeere. Blätter bzw. Früchte wurden auf bösartige Geschwüre, die Blattern aufgelegt. Eingenäht in die Kleidung sollten Früchte des bizarren Gewächses die schreckliche Krankheit fernhalten, jedoch mussten sie dafür zwischen Maria Himmelfahrt (15. August) und Maria Geburt (8. September) gepflückt worden sein. Aufgrund der Ähnlichkeit der Früchte mit Pestbeulen setzte man sie zur Behandlung der blauschwarzen Hautverfärbungen und Geschwüre ein, die beim Schwarzen Tod auftraten.

War das nützlich?