Von wegen traute Zweisamkeit, wo Geben mindestens so selig ist wie Nehmen: Die Einbeere (Paris quadrifolia) gehört zu den Pflanzen, die keineswegs mit Pilzen in einer Symbiose kooperiert, in der beide Partner Vorteile haben. Vielmehr zapft die Einbeere Pilze an, um sich bei denen mit Kohlenstoffprodukten zu versorgen, statt sie selber über Photosynthese zu produzieren. Die Nährstoffe stammen letztlich von Bäumen und werden über das Mykorrhiza-Netzwerk über die Pilzfäden im Untergrund weitergeleitet.
Die Einbeere lebt also nicht autotroph, sondern mykoheterotroph. Obwohl sie grüne Blätter hat und über Photosynthese alle lebenswichtigen organischen Verbindungen selbst herstellen könnte, nimmt sie sich diese von Pilzen. Pilze wiederum können keine Photosynthese betreiben (sie sind nicht grün, haben kein Chlorophyll!), sondern tauschen normalerweise Photosyntheseprodukte von grünen Pflanzen gegen Wasser und Mineralsalze ein. Wissenschaftler haben nachgewiesen, indem sie Stoffe markierten und deren Weg durch das „Wood Wide Web“ verfolgten, dass sich die Einbeere letztlich aus dritter Hand ernährt, denn die Stoffe, die sie den Pilzen entnimmt, stammen ursprünglich von Bäumen.

Solche Lebensweise kannte man bis dahin nur von Pflanzen, die keinerlei Chlorophyll bilden, etwa Orchideen wie etwa der Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis), dem Weißen Waldvögelein (Cephalanthera damasonium, bei dem neben grünen auch chlorophyllfreie Individuen vorkommen), oder dem zu den Heidekrautgewächsen zählenden Fichtenspargel (Monotropa hydropitys).
Die weitaus größere Zahl an Pflanzen ist über ihre Wurzeln über Mykorrhiza mit Pilzen vernetzt. Bisher wurde angenommen, dass es sich dabei weitgehend um eine ausgeglichene Beziehung handelt, eine Win-Win-Situation für Pflanzen und Pilze. Inzwischen wird das bezweifelt, man schätzt eine viel höhere Zahl an Pflanzen, die sich von Pilzen ernähren – neben der Einbeere z.B. auch das Buschwindröschen (Anemone nemorosa).

Ich konnte noch nie verstehen, warum manche Leute Pilze im Wald grundlos zerstören – angesichts solch neuer Erkenntnisse schon gar nicht mehr. Bitte lasst die Pilze wachsen! Ihr möchtet doch den Bäumen nicht das ohnehin schon knappe Wasser vorenthalten und sicher auch nicht auf so zauberhafte Gewächse wie Einbeere und Buschwindröschen verzichten!
Dabei ist es völlig belanglos, ob die Einbeere und andere Gewächse nun ausbeuterisch, geradezu parasitisch leben. Was wir Menschen als verwerflich erachten, bleibt in der Natur wertfrei – Hauptsache: Leben!
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