Unter allen heimischen Wegerich-Arten schiebt der Breit-Wegerich (Plantago major) die längsten Blütenstände, auch die sind ein Erkennungsmerkmal. Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata) hat kurze, ei-bis walzenförmige Blütenähren, der Mittlere Wegerich (Plantago media) schlanke mit hellrosa bis zartvioletten Staubgefäßen, die wie ein Pinsel wirken. Beim Breit-Wegerich erscheinen dagegen von Frühsommer bis Spätherbst Ähren, die oft länger als eine Handspanne werden. Der blütenbesetzte Abschnitt des Stängels ist stets länger als der untere kahle Teil, auch das unterscheidet den Breitwegerich von den beiden anderen Arten, bei denen ein langer Stiel eine eher kurze Ähre trägt. Anfangs erinnern die knospigen, grasgrünen Blütenstände ein wenig an Reptilienschwänze oder kleine Schlangen – und sind sehr begehrt für allerlei Rezepte. Gebraten, in Öl oder Würzessig eingelegt, immer sehr delikat.
Früchte in langen Kerzen

Sobald sich die unscheinbaren Blüten in Früchte verwandeln, liefert der Breitwegerich reiche Ernte. Indem jede Pflanze zahlreiche Blütenkerzen bildet, an denen schätzungsweise bis hundert kleine Kapseln dicht an dicht beieinanderstehen, die sich auch noch leicht von der Achse abrebeln lassen, kommt in kurzer Zeit eine Menge Erntegut zusammen. Sie lassen sich sofort einsetzen, roh oder gebraten schmecken sie nussig und pilzartig.
Die anfangs grünen, später grau- bis dunkelbraunen eiförmigen Kapseln sprengen ihre Deckel ab und entlassen jeweils 10-30 winzige schwarze Samen. Schon beim Abstreifen der Früchte fallen sie heraus. Sie wirken wie kleine Tierchen, deshalb nennt man sie auch Floh-Samen.
Flohsamen? Ja, die in moderner Küche vielfach eingesetzten Nahrungsergänzungsmittel stammen von nahe verwandten, fremdländischen Wegerich-Arten wie dem Strauch-Wegerich (Plantago ovata). Was die können, leisten Breit-Wegerich-Samen schon lange! Nämlich aufquellen, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen. Sie stecken voller Polysaccharide, die ein Gel, einen Schleim bilden, mit dem sich die Samen optimal an Füße, Hufe, Reifen und andere Transportmittel ankleben können. Diese verschleimenden Inhaltsstoffe gelten heilkundlich als besonders gut für Magen und Darm, weil sie schneller das Sättigungsgefühl aktivieren, Giftstoffe binden, die Verdauung regulieren.

Für die Küche muss man sich nicht unbedingt die Mühe machen, die winzigen schwarzen Samen von den Fruchtschalen zu trennen. Wenn doch, bereichern die ölreichen Körnchen ähnlich wie Sesam oder Mohn allerlei Gebäck, oder können gemahlen zum Strecken von Mehl dienen.