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Breit-Wegerich 2

Unter Survivalspezialisten zählt der Breit-Wegerich (Plantago major) zusammen mit seinen nahen Verwandten zum sog. Dirty Dozen, den „schmutzigen“ zwölf Pflanzenarten, die man weltweit findet, die unverwechselbar aussehen und einen hohen Nährwert haben. Anders als bei den Wurzellieferanten Löwenzahn und Nachtkerzen steckt die Energie beim Breitwegerich vor allem in seinen Samen.

Zäh wie Leder mit Nerven aus Stahl

Doch fangen wir bei den Blättern an: rundlich, ganzrandig, ledrig, von markanten Adern durchzogen und stets gestielt – das unterscheidet sie von denen des Mittleren Wegerichs (Plantago media), die zudem auch noch eine deutliche Blattspitze aufweisen und weich behaart sind. Junge Breit-Wegerichblätter sind noch weich und gut roh verzehrbar, ältere ähneln dagegen mehr einer Schuhsohle, auf der man herumkaut. Wer Tritt aushalten kann, muss eben sehr zäh sein.

Und doch kann man auch ausgewachsene, oft handtellergroße Breitwegerichblätter in der Küche gut nutzen. Blanchiert oder gedämpft eignen sie sich zum Einwickeln – warum nicht mal Sushi vom Wegrand servieren? Dafür werden die vorgegarten Blätter gefüllt und aufgewickelt. Man kann die Blätter auch quer zur Äderung zerschneiden und solo oder im Mix mit anderen Kräutern für Spinatgemüse oder Füllungen verwenden. Durch Fermentation werden sie wesentlich angenehmer zum Essen, zudem bekömmlicher und auch geschmacklich sehr interessant.

Noch wertvoller erweisen sich die Blätter als „grünes Pflaster“. Auf wundgeriebene Stellen an Fersen oder Fußsohlen gelegt, wirken sie kühlend, abschwellend und lassen eine Blase gar nicht erst entstehen. Nicht umsonst nennt man den Breitwegerich „Freund des Wanderers“. Ebenso leistet ein zerquetschtes Blatt gute Dienste bei Insektenstichen, ähnlich wie der für diese Nutzung viel bekanntere Spitzwegerich (Plantago lanceolata).

Isenheimer Altar von Matthias Grünewald: Auf der Tafel „Besuch des Antonius bei Paulus von Theben“ ist unten links ein Breit-Wegerich naturalistisch dargestellt

Alle Wegeriche enthalten in ihren Blättern das Iridoidglycosid Aucubin mit antibakterieller und entzündungshemmender Wirkung. Sie werden seit jeher für Hautkrankheiten eingesetzt, so früher auch bei sehr schwerwiegenden wie Lepra oder dem Antoniusfeuer (Mutterkornvergiftung). Das belegen Gemälde von großen Meistern des 16. Jahrhunderts, wo Breit-Wegerich naturgetreu wie beim Triptychon „Anbetung der Könige“ von Hieronymus Bosch oder auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald abgebildet ist.

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