Schau, schau, die Sommer-Linden (Tilia platyphyllos) beginnen zu blühen! Über zwei Wochen früher als im langjährigen Mittel – mit der Blüte der Sommer-Linde beginnt ja bereits der Hochsommer. Also auf zum Lindenblüten-Pflücken. Perfekt, wenn die meisten Blüten schon geöffnet sind, wenige noch geschlossen, aber noch keine verblüht und braun. Optimal, wenn die Sonne scheint und kein Regen alles ausgewaschen hat. Ideal, wenn voller Duft.
Nie sind Lindenblüten besser als jetzt: Voller Sonne, voller Wärme, voller Duft. Den sie uns dann wieder spenden, wenn wir es dringend nötig haben – die grauen, kalten Tage kommen bestimmt. Dann eine Tasse Lindenblütentee, da kommen sommerliche Gedanken sofort zurück.
Die Blüten stets frisch aufgeblüht samt dem flügelartigen Tragblatt sammeln. An luftiger, warmer Stelle trocknen. In speziellen Papiertüten (aus dem Teehandel) oder in Schraubgläsern dunkel, kühl und trocken aufbewahren. Für Tee, Sirup, Gelee, Muffins, Kuchen…
Und beim Pflücken an das wunderbare Gedicht von Heinrich Heine denken:
Mondscheintrunkene Lindenblüten,
Sie ergießen ihre Düfte,
Und von Nachtigallenliedern
Sind erfüllet Laub und Lüfte:
Lieblich lässt es sich, Geliebter,
Unter dieser Linde sitzen,
Wenn die goldnen Mondeslichter
Durch des Baumes Blätter blitzen.
Sieh dies Lindenblatt! du wirst es
Wie ein Herz gestaltet finden;
Darum sitzen die Verliebten
Auch am liebsten unter Linden.
Doch du lächelst; wie verloren
In entfernten Sehnsuchtträumen –
Sprich, Geliebter, welche Wünsche
Dir im lieben Herzen keimen?
Ach, ich will es dir, Geliebte,
Gern bekennen, ach, ich möchte,
Dass ein kalter Nordwind plötzlich
Weisses Schneegestöber brächte;
Und dass wir, mit Pelz bedecket
Und im buntgeschmückten Schlitten,
Schellenklingelnd, peitschenknallend,
Über Fluss und Fluren glitten.
Heinrich Heine (1797-1856)