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Die in der Gosse sieht man nicht

Oftmals sind wir blind. Oder wir wollen nicht hinsehen. Jedenfalls entdecke ich immer wieder Neues oder fast Vergessenes. Wie etwa das Kleine Löwenmäulchen oder Gewöhnliche Katzenmaul (Misopates orontium, syn. Antirrhinum orontium). Ich kenne das Wegerichgewächs (früher Rachenblütler) aus früheren Zeiten, wo es auf Äckern immer wieder mal auftauchte. Aber schon lange habe ich es in landwirtschaftlicher Flur nicht mehr gefunden. Und jetzt? Blinzelt es mir am Straßenrand, aus dem Rinnstein entgegen. Wer schaut auch schon auf solch hässliche Orte?

Aber je hässlicher, abwertender der Mensch seine Umgebung gestaltet, umso reizvoller erscheint mir das Leben, was dort siedelt. So etwa das Kleine Löwenmaul. Es wird auch Orant oder Dorant genannt, weil es wie viele andere Pflanzen mit gleichen Volksnamen zu zauberischen Zwecken verwendet wurde. Insbesondere diente es zur Geister- und Hexenabwehr.

Warum habe ich das niedliche Gewächs nirgends mehr bemerkt? Weil es immer seltener geworden ist, laut Roter Liste gehört es zu den gefährdeten Arten, deren Bestand stark rückläufig eingeschätzt wird. Und weil ich einfach meine Augen nicht für die in der Gosse nicht aufgemacht habe…

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