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Uralt im Wald

Sommer, Hitze, ich suche Schatten und Kühle. Also ab in den Wald. Sommerwald heißt aber auch, dass es recht eintönig zugeht. Denn durch die Baumkronen fällt nur wenig Licht, zu wenig, als dass ich hier viele Blumen finden könnte.

Aber schau mal! Ich freue mich wie ein Schneekönig (also eigentlich wie ein Zaunkönig, als Standvogel selbst im Winter bei Eis und Schnee noch lustig durch den Garten hüpft und singt), dass ich Einbeeren (Paris quadrifolia) sehe. Immer wieder begeistert mich deren außergewöhnliche Erscheinung, muss ich an die Geschichte mit dem Zankapfel denken.

Aber ebenso daran: Die Einbeere ist eine der Waldpflanzen, die als Zeiger für historisch alte Waldstandorte (ancient woodlands) angesehen werden, d. h. für Standorte, die mehr als 400 Jahre ununterbrochen mit Wald bestockt sind. Als Tiefschattenpflanze (Einbeeren kommen mit nur 5 % der normalen Helligkeit aus, weil sie auch Pilze anzapfen, um sich mit organischen Nährstoffen zu versorgen) ist sie an dunkle Verhältnisse bestens angepasst. Schon mit wenig Licht kann die Pflanze ihre Photosynthese in wenigen Minuten auf Hochtouren bringen, wofür Sonnenpflanzen dann schon mal eine viertel bis halbe Stunde brauchen. Wird es im Wald aber hell, verschwindet die Einbeere.

Indem sich Baumkronen in den Wäldern durch Einfluss des Klimawandels immer weiter auflichten, weil Altbestand von Wäldern teils leichtfertig gerodet wird, weil schwere Maschinen den Waldboden und die Pilzgemeinschaften beeinträchtigen, weil nach Windwurf oder Einschlag stickstoffliebende Arten wie Brombeeren alles überwuchern, haben es Pflanzen wie Einbeeren sehr schwer. Ungestört können deren Rhizome jahrzehntelang überdauern und stetig neue Triebe bilden – aber einmal gestört können sie sich kaum wieder etablieren. Ihre Samen sind nur sehr kurz keimfähig, so dass auch kein Nachwuchs aus der Samenbank des Bodens heranwächst.

Meine Freude über die Einbeeren ist deshalb immer auch eine Freude über den Wald, der an diesen Stellen schon lange, lange steht. Gerne erzähle ich dann Geschichten rund um die Einbeere, damit möglichst viele Menschen auf die Pflanze aufmerksam werden – und sich dafür einsetzen, dass ihr Lebensraum bewahrt bleibt.

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