Pflücken darf man das Leberblümchen nicht, denn es steht unter Naturschutz. Wo es nicht gestört wird, kann es mehrere hundert Jahre fortbestehen. Deshalb gilt es als Zeiger der sog. alten Wälder, also Waldgebiete, die schon lange bestehen und nur sehr achtsam bewirtschaftet wurden. Im exklusiven Arrangement gesellt sich das Leberblümchen zu vielen anderen Frühlingsblühern – aber nur gemalt, wie hier von Jan Brueghel dem Älteren:

Obwohl auch bei uns vielfach in Gärten gepflanzt und jedes Jahr mit Freude begrüßt, genießen Leberblümchen in Japan eine besondere Verehrung. Die Schriftzeichen in der Collage bedeuten Yukiwasaro, das bedeutet Blume unter dem Schnee oder Pflanze, die den Schnee bricht. Formen vom Japanischen Leberblümchen (Hepatica nobilis var. japonica) sowie Kreuzungen mit Varietäten aus Europa und anderswo ließen zahllose Sorten entstehen. Diese floralen Juwelen werden auch schon mal für mehrere tausend Dollar pro Pflanze gehandelt.

Ein weiterer Name für Leberblümchen in Japan lautet Misumiso, Dreiecksblume. Bei uns existiert die Bezeichnung Dreifaltigkeitskraut. Das bezieht sich auf die Laubblätter, sowohl die großen als auch die kleinen Hochblätter unmittelbar unter der Blüte, welche die Funktion von Kelchblättern übernehmen.

Die Blätter beschreiben einen sog. Dreipass. Diese geometrische Figur aus drei Zirkelschlägen (Pässen) trifft man häufig in der späten Romanik wie in der Gotik als Ornament an.



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Fehlt noch das prächtige Gebäude in der Bilderserie: Es ist die ehemalige Klosteranlage St. Michael in Bamberg mit ihrer über 1000 Jahre alten Klosterkirche.

In der Kirche kann man den Himmels- oder Kräutergarten bestaunen. Die Deckenfresken zeigen mehr als 500 Pflanzen, von einheimischen bis zu exotischen Gewächsen, darunter auch das Leberblümchen. Unbedingt besichtigen, voraussichtlich ab Frühjahr 2026 wird die Kirche nach umfangreicher Sanierung für Besucher wieder eröffnet.
