Ich weiß eine Stelle in meiner Nähe, wo ich ihn finde: den Fieber- oder Bitterklee (Menyanthes trifoliata). Und fast hätte ich es dieses Jahr verpasst, ihn blühend zu erleben. Ich war einfach ein bisserl spät dran. Aber noch gibt es Blüten zu bestaunen. Wer den Fieberklee entdecken möchte, holt sich bestimmt nasse Füße, denn er wächst in Mooren, Sümpfen und im Flachwasserbereich von Seen oder Teichen.
Im Fransenkleid

Die Blüten sind so extravagant, dass ich lange davor stehen bleibe, um sie in allen Facetten wahrzunehmen. Wer trägt sie schon so fein gefranst? Das macht den Fieberklee unverwechselbar. Die Fransen an den Kronblättern wirken nicht nur attraktiv, sondern dienen als sog. Sperrhaare, um kleinen Insekten das Eindringen in die Blütenkelche zu verwehren. Bienen, Hummeln, Wollschweber, Wespen und größere Schwebfliegen dagegen halten sie nicht auf, die übernehmen die Bestäubung und werden dafür mit Nektar belohnt.
Drei Blättchen und doch kein Klee

Trifolium, dieser Name gilt für Klee-Arten, deren Blätter dreiteilig sind. Obwohl der Fieberklee genau solche dreigeteilten Blätter ausbildet, gehört er dennoch in keiner Weise zur Gattung Klee aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Er ist mit den Wiesenbewohnern nicht einmal entfernt verwandt, sondern steht den Enzianen (Gentiana) viel näher, wurde früher sogar den Enziangewächsen (Gentianaceae) zugerechnet. Heute steht er gemeinsam mit der Europäischen Seekanne (Nymphoides peltata) und wenigen anderen Arten in der Familie der Fieberkleegewächse (Menyanthaceae).
Bitter, aber nicht fiebersenkend

Ähnlich wie Wermut (Artemisia absinthium), Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) oder Gelber Enzian (Gentiana lutea) gehört der Fieberklee heilkundlich nach wie vor zu den Bittermitteln, die bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl oder Magen-Darm-Beschwerden hilfreich sein können. Obwohl der Name Fieberklee vermuten lässt, dass er auch gegen Fieber helfen soll, entspricht dies nicht der Wahrheit. Dennoch wird der Fieberklee kaum noch verwendet – weil seine Bestände stark bedroht sind, er zudem streng unter Naturschutz steht.
Aber ich muss jetzt mal nachsehen, ob der Fieberklee nicht schon Früchte bildet… Oder doch noch eine Seekanne (ist übrigens ebenfalls geschützt) suchen?
