Basilikum – einfach königlich

Basilikum – einfach königlich

Wer einmal Basilikum im eigenen Garten oder auf dem Balkon selbst gezogen hat, wird keines mehr vom Supermarkt wollen. Basilikum kann so aromatisch duften und schmecken, wenn es an der frischen Luft unter sommerlicher Sonne und liebevoll gepflegt schön langsam wachsen und gedeihen darf – überhaupt kein Vergleich mit der schnell-schnell im Gewächshaus unter Computeraufsicht produzierten Massenware.
Basilikum, das Königskraut, zieht man am besten selbst aus Samen. Wer die Kniffe dazu kennt, dem gelingt es spielend.

Die rechte Zeit
Vor April lohnt es sich überhaupt nicht, Basilikum auszusäen. Vorher sind die Tage noch zu kurz, die Nächte zu kühl. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass mindestens jede zweite Aussaat von Basilikum in den ersten drei Monaten des Jahres fehl schlägt. Ab April ist das jedoch nur noch selten der Fall.
Das Saatgut sollte am besten frisch sein, denn die Samen verlieren ihre Keimkraft meistens schon nach 2-3 Jahren.

Saatgut einweichen
Bevor ich Basilikum aussäe, lege ich die Samen über Nacht in lauwarmen Kamillentee ein. Das hat gleich zwei Vorteile. Die Samen nehmen schon mal Feuchtigkeit auf, quellen vor. Die Wirkstoffe der Kamille bewirken, dass an den Samen anhaftende schädliche Keime abgetötet werden. Denn leider ist Saatgut von Basilikum sehr oft behaftet mit Pilzsporen, die gleich nach der Aussaat die Keimlinge befallen und zum Absterben bringen können.

Gute Anzuchterde
Ich verwende Schalen oder größere Töpfe als Aussaatgefäße, die ich mit einer qualitativ hochwertigen Aussaaterde fülle. Diese ist sehr feinkörnig, verklebt nicht, bleibt gut durchlüftet und kann trotzdem ausreichend Wasser speichern. Das Wichtigste: Sie ist ungedüngt – denn zugesetzte Nährsalze könnten den Keimwurzeln schaden, sie regelrecht verätzen.

Saatbett vorbereiten
Nachdem ich die Gefäße bis zur oberen Kante mit Anzuchterde gefüllt habe, stoße ich sie auf der Tischplatte auf – so bleiben keine Hohlräume. Dann drücke ich die Erde behutsam mit dem Handrücken oder einem Brettchen etwas fest. Aber wirklich nur etwas, denn die kleinen Würzelchen müssen sich ja noch in die Erde hineinbohren können. Verfestigt man die Oberfläche zu stark, brauchen die Keimwurzeln viel Energie und Zeit, um nach unten zu dringen. Auf die jetzt schön glatte Oberfläche kommen die vorgequollenen Samen.

Samen ausbringen
Die Samen vermische ich mit feinem, trockenem Sand, beispielsweise Vogelsand. Auf ein Teil Samen kommen drei bis vier Teile Sand – ich messe das mit einem alten Esslöffel ab, gebe alles in einen becher, mische gründlich. Ein Stück dünner Karton (z.B. eine Postkarte) wird in der Hälfte scharf gefaltet und als Aussaathilfe benützt. Dort geben ich die Mischung aus Samen und Sand hinein, klopfe mit den Finger sachte dagegen und streue so alles in dünner Schicht über die Aussaaterde aus. So lassen sich die Samen erstens wunderbar fein und mit reichlich Abstand ausstreuen, zweitens kleben die Körnchen nicht aneinander.
Viel Platz zwischen den Samen ist bei Basilikum äußerst wichtig! Streut man den Samen zu dicht, bleiben später die eng nebeneinander wachsenden Keimlinge nach jedem Gießen sehr lange feucht. Da fühlen sich Keime sehr wohl, schnell beginnt alles zu schimmeln, zu faulen.
Die Samen werden dann samt dem Sand nochmals behutsam angedrückt. Wieder hilft der Sand, dass die Samen nicht gleich wieder an Hand oder Brettchen kleben bleiben. Und jetzt ist ganz wichtig: Nicht abdecken! Basilikum ist ein Lichtkeimer, die Saat geht nur auf, wenn sie im Licht bleibt. Deckt man die Samen mit Erde ab, passiert gar nichts…

Befeuchten
Mit einer feinen Brause oder mit der Sprühflasche feuchte ich jetzt die Erde samt der obenauf liegenden saat gut an. Die Erde soll nur leicht feucht sein, sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm – keinesfalls nass sein.
Wenn man das mal als „Trockenübung“ mit etwas Erde ausprobiert, bekommt man ein besseres Gefühl für das richtige Angießen. Einfach eine Handvoll Anzuchterde in einen Topf geben und gießen oder besprühen. Zuerst nur wenig Wasser nehmen, ein paar Minuten warten. Dann prüfen, wie sich die Erde zwischen den Fingern anfühlt. Dann in kleinen Portionen nachgießen. Immer wieder eine kleine Portion Erde zwischen die Finger nehmen und pressen. Sobald sich ein Tropfen herausdrücken lässt, ist es schon fast zuviel durchfeuchtet.
Wieder leistet der Sand gute Dienste: Die Oberfläche der Erde trocknet dank Sandauflage viel schneller ab, Pilzsporen und Bakterien haben da kaum Chancen.

Warm stellen
Über die Aussaatschale oder den Topf spanne ich eine Klarsichtfolie oder stülpe eine durchsichtige (!) Plastiktüte über. Das schafft eine Art Gewächshausatmosphäre. Die gefäße kommen an eine sonnige, warme Stelle. Bei rund 20-25 °C keimen die Samen innerhalb von zwei, manchmal auch erst nach drei Wochen. Wichtig: Die Temperatur sollte niemals unter 10 °C fallen, Kälte wie auch Nässe rufen sofort Pilzkrankheiten auf den Plan.

Lüften
Sobald sich die ersten grünen Blättchen zeigen, beginne ich mit dem Belüften. Ich lupfe die Folie oder Tüte ein wenig, damit frische Luft an die Saat kommt. Solange sich an der Abdeckung noch Tröpfchen niederschlagen, reicht die Feichtigkeit im Erdreich aus. Sonst gieße ich vorsichtig nach.

Ausdünnen
Schnell werden die Keimlinge größer. Jetzt kommt eine wichtige Geschichte: Ausdünnen oder Vereinzeln. Damit Basilikum später groß und kräftig gedeihen kann, brachen die einzelnen Pflanzen viel Platz um sich. Zwischen den Stängeln sollen mindestens zwei Zentimeter frei bleiben, besser noch drei Zentimeter. Überschüssige Sämlinge auszupfen, man kann sie gut einzeln in eigene Gefäße mit Anzuchterde umpflanzen. Letztendlich, wenn die basilikumpflanzen rund 10 cm groß geworden sind, versetzt man sie sogar auf 20-25 cm Abstand.
Dichtes Gedränge ist übrigens häufig auch der Grund, warum gekaufte Basilikumpflanzen in Töpfen urplötzlich zusammenbrechen – trotz Gießen und guter Pflege. Die Pflanzen stehen viel zu dicht, nehmen sich gegenseitig Licht, Luft, Wasser und Nährstoffe. Und im Stiel- und Blätterdschungel herrscht hohe, allzu hohe Luftfeuchtigkeit, was Pilzen und Bakterien gut gefällt. Insbesondere die Welkekrankheit, ausgelöst durch Fusarium oder andere Pilze, teils auch durch Bakterien, sind dafür verantwortlich. Sie verstopfen die Wasserleitbahnen im Innern der Stängel – die Pflanzen sind nicht mehr zu retten.

Wenn Basilikum dann aber erst einmal kräftig wächst – dann steht einer reichen Ernte nichts mehr im Wege! Und was fängt man alles damit an? Tipps, Rezepte und mehr bald auf unserem Kochlustblog. Dort gibt es auch Erfahrungsberichte mit der Anzucht und Kultur.

3 Kommentare
  • Vielen Dank für diese wunderbaren Tipps! Denn ich quäle mich jedes Jahr mit der Anzucht von Basilikum herum – erfolglos. Erst wachsen die kleinen Triebe und dann sterben sie ab. :-((

    Wo krieg ich denn Vogelsand her? Bei meiner Gärtnerei auf alle Fälle nicht.

    Lieber Gruß von Renate

    8. April 2009 um 17:47
  • Torben
    Antworten

    Hey, echt gute anleitung, hoffe, dass meine Anzucht auh gut wird.. 😉

    27. Mai 2009 um 20:48

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